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Auf einen Blick
Tinnitus

Tinnitus — Wenn´s klingelt und pfeift

 

Da kommt man endlich mal zur Ruhe und plötzlich klingelt, pfeift oder zischt es im Ohr. Der Tinnitus ist bei uns zu einem echten Volksleiden geworden. Doch warum leiden immer mehr Menschen darunter und was kann man dagegen tun? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit — erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

Tinnitus ist ein ganz individuell erlebtes Phänomen und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Man bezeichnet damit ein Symptom, bei dem der Betroffene Geräusche wahrnimmt, denen keine äußeren Schallquellen zugeordnet werden können. Sie entstehen also quasi ohne äußere Einflüsse in einem oder häufig sogar beiden Ohren des Betroffenen.Dabei wird der Tinnitus von den Betroffenen ganz unterschiedlich beschrieben. Während die einen ihn mit einem Klingeln, Brummen, Pfeifen, Zischen oder Rauschen vergleichen, sprechen andere von einem Knacken oder Klopfen. Das Geräusch kann gleichbleibend auftreten, schwanken oder sogar pulsieren.

Volksleiden Tinnitus

Aufgrund der hohen Dunkelziffer und unterschiedlicher Erhebungsmethoden, ist es so gut wie unmöglich, belastbare Zahlen über die Verbreitung von Tinnitus zu erhalten. Man geht jedoch davon aus, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung der Industrieländer einmal in ihrem Leben von Tinnitus betroffen sind. In Deutschland nehmen laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts mehr als 15 Prozent aller über 65-jährigen ständig und über eine längere Zeit die störenden Ohrgeräusche wahr.
Erschreckend ist dabei jedoch, dass die Zahl der Tinnitus-Patienten Jahr für Jahr weiter zunimmt.

 

Wie kommt es zum Tinnitus

Genauso vielfältig wie die wahrgenommenen Tinnitus-Geräusche sind seine möglichen Ursachen. Sie reichen von Tauchunfällen, über ein Schall- oder Knalltrauma, einen Tumor am Gehörnerv oder Erkrankungen des Innenohrs bis hin zum ebenfalls immer häufiger vorkommenden Hörsturz. Auch viele Schwerhörige sind von einem Tinnitus betroffen.Inzwischen sind sich die Wissenschaftler nicht einmal mehr einig, ob der Tinnitus – wie lange angenommen wurde – im Innenohr entsteht, oder im Gehirn. Für letzteres sprechen Versuche, bei denen der Tinnitus auch nach einem Durchtrennen des Hörnervs fortbestand.Mit modernen bildgebenden Verfahren konnte zudem nachgewiesen werden, dass bei Tinnitus-Patienten besonders hohe Aktivitäten in verschiedenen Arealen des Gehirns vorliegen.

Hoher Leidensdruck – schwierige Behandlung

Allen Tinnitus-Patienten gleich ist ihr hoher Leidensdruck. Die Ohrgeräusche, die in der Regel besonders in Ruhephasen besonders laut und eindrücklich auftreten, verursachen Schlafstörungen und Angstzustände, die sogar zu Depressionen und zur Arbeitsunfähigkeit führen können.Auch besteht ein enger Zusammenhang zwischen Tinnitus und erhöhtem Blutdruck. Zum einen kann Tinnitus auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen, zum anderen kann erhöhter Blutdruck für die Entstehung eines Tinnitus mitverantwortlich sein.Leider gibt es bis heute auch noch keine universelle Therapie gegen den Tinnitus. Bei uns in Deutschland haben viele Ärzte gute Erfahrungen mit Vitamin-E-Präparaten oder Magnesium gemacht. Allerdings sollte man diese Nahrungsergänzungen nicht im Selbstversuch, sondern nur nach Rücksprache mit seinem Arzt zu sich nehmen.Sollte gleichzeitig eine Schwerhörigkeit vorliegen, gibt es inzwischen auch Hörgeräte, die den Tinnitus mit einer Art Gegengeräusch „überlagern“.Mein Tipp: Wenn Sie unter Tinnitus leiden, versuchen Sie Stress und zu große Lautstärken zu vermeiden. Lenken Sie sich ab, vielleicht auch durch leise Hintergrundmusik. Oft verschwindet der Tinnitus nämlich bereits nach wenigen Wochen wieder. Sollte er doch länger auftreten, sprechen Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens darüber.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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