Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Lärm

Wir brauchen mehr Ruhe

Lärm macht krank, sagt der Volksmund. Dass das stimmt, haben inzwischen mehrere Studien bewiesen. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit —  erklärt Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Es mehren sich die Proteste über ständig zunehmenden Umweltlärm. Gerade in Einflugschneisen großer Flughäfen gibt es Protestaktionen mit dem Motto „Fluglärm macht krank“. Inzwischen haben sich auch namhafte Mediziner an die Spitze dieser Protestbewegungen gesetzt, weil sie zu der Auffassung kommen, dass Lärm die Gesundheit schädigen kann.

 

Dauerhafter Lärm schädigt das Gehör

    Zuerst einmal stellt Lärm ein enormes Risiko für unser Gehör dar. Das ist sozusagen immer „an“ und verfügt über keinen natürlichen Schutzmechanismus. Erst kürzlich hat eine Studie iranischer Forscher in der dortigen Fliesen- und Keramikindustrie gezeigt, dass bereits zwei Jahre Lärm am Arbeitsplatz ausreichen, um das Gehör dauerhaft zu schädigen. Das ist besonders bedenklich, weil laut einem Bericht der EU auch bei uns bis zu fast einem Drittel aller Arbeitnehmer dauerhaftem Lärm am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

    Selbst bei ungeborenen Babys kann Lärm bereits das Gehör schädigen. Das belegt eine Studie des Instituts für Umweltmedizin des Karolinska Instituts im schwedischen Stockholm. Demnach brachten Mütter, die Teilzeit arbeiteten und 85 dB ausgesetzt waren 1,27 Mal so häufig schwerhörige Kinder zur Welt, als Teilzeitarbeitende, die nur 75 dB ausgesetzt waren. Bei den Vollzeitbeschäftigten, die 85 dB ausgesetzt waren, lag das Risiko sogar bei 1,82.

    Zudem kann jeder durch eine optimale Vorsorge einen frühzeitigen Todesfall verhindern. Wir wissen, dass gerade bei Menschen unter 50 Krebs die häufigste Todesursache ist.

     

    Deutsche Studie belegt: Umweltlärm macht krank

    Bereits vor einigen Jahren hat auch eine deutsche Studie die Auswirkungen insbesondere von Verkehrslärm auf Lebensqualität, Krankheitsrisiken, Blutdruck und Schlaf sowie auf die geistige Entwicklung untersucht. Die unter dem Namen NORAH – für Noise-Related Annoyance Cognition and Health – veröffentlichte Studie konnte erstmals nachweisen, dass dauerhafter Verkehrslärm das Risiko erhöht, an Depressionen oder Herzinsuffizienz zu erkranken. Auch das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, stieg bei dauerhaftem Lärm ausgesetzten Menschen signifikant an.Am schädlichsten erwiesen sich dabei laut der Studie Schienenlärm gefolgt von Straßen- und Fluglärm.In einer aktuellen Studie haben Kardiologen der Universität Mainz unter Prof. Dr. Thomas Münzel zeigen können, dass Fluglärm das Herz außer Takt bringen kann. Das gefürchtete Vorhofflimmern, das meist mit einer starken Arrhythmie des Pulsschlages verbunden ist, steigt unter Lärmeinfluss signifikant an.

    WHO warnt vor Schlafstörungen durch Lärm

    Doch nicht nur die direkten Auswirkungen des Lärms, auch die indirekten können schädliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. So hat eine Studienauswertung im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO gezeigt: Wenn Lärm zu Schlafstörungen führt, steigt gleichzeitig auch das Risiko für Allergien, Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Migräne.So war bei den Teilnehmern der Studie mit lärmbedingten Schlafstörungen das Risiko für Allergien um 46 Prozent, für Herz-Kreislauf-Symptome um 45 Prozent, für Bluthochdruck um 49 Prozent und für Migräne um 56 Prozent signifikant erhöht.Für die vielen von uns, die in Ballungsräumen leben und nahezu rund um die Uhr beschallt werden, ist das eine äußerst bedenkliche Nachricht. Denn als Hauptquellen für eine nächtliche Belastung durch Lärm wurden in der Studie Straßenverkehrslärm und Nachbarschaftslärm genannt. Beidem kann man kaum „entkommen“.

    Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

     

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