Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Höhenkrankheit

Höhenkrankheit — Vorsicht beim Bergwandern und Skifahren    

Die Deutschen sind ein Volk der Bergwanderer und Skifahrer. Doch gerade „Flachländer“ sind sich häufig nicht der Gefahr einer drohenden Höhenkrankheit bewusst. Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

 

Laut Deutschem Alpenverein (DAV) gehen jährlich mehr als 40 Millionen Menschen zum Bergwandern und Skifahren. Bei dieser Menge an Bergtouristen ist klar, dass auch die Zahl der Verletzungen oder sogar Todesfälle relativ groß ist. Neben klassischen Unfällen drohen im Wesentlichen zwei Gefahren.

Herztod – nicht selten wegen körperlicher Überforderung

Mehr als ein Drittel aller Todesfälle im Bergsport sind laut DAV Herztodesfälle. Viele gehen ohne vorheriges Training in die Berge, überanstrengen sich oder nehmen trotz bekannter Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems, der Atemwege oder des Stoffwechsels nicht genügend Rücksicht. Eine Zahl finde ich in diesem Zusammenhang besonders interessant: etwa 90 Prozent aller plötzlichen Herztodfälle erleiden Männer über 34 Jahre. Wenn Sie zu dieser Risikogruppe gehören, sollten Sie also besondere Vorsicht walten lassen. Besonders gefährlich: Skifahren im frühen Winter auf dem Gletscher in großen Höhen ohne Training beziehungsweise Skigymnastik. Rund 40 Prozent der Todesfälle beim Wintersport sind auf den plötzlichen Herzinfarkt zurückzuführen. Meist treten diese Herzinfarkte ohne Vorwarnung auf.

Oft unterschätzt: Die Höhenkrankheit

Wer gerne besonders hoch hinaus möchte, sollte auch die Gefahren einer drohenden Höhenkrankheit im Auge behalten. Sie befällt viele Menschen jenseits von 2.500 Metern. Als typische Symptome treten Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. In einer Höhe ab 2.500 Metern sind bis zu 75 Prozent aller Menschen davon betroffen.

Eine aktuelle Untersuchung aus den USA hat nun gezeigt, dass ein einfaches Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (kurz NSAID) mit dem Wirkstoff Ibuprofen die lästigen Symptome der Höhenkrankheit verhindern kann. Der bei uns zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln zählende Schmerz- und Entzündungshemmer wirkt allerdings nur, wenn täglich viermal 600 mg eingenommen werden. In der Studie wurde der Wirkstoff in dieser Dosierung gut vertragen.

Insbesondere im Vergleich zu den bisher zur Prophylaxe der Höhenkrankheit eingesetzten Präparaten ergeben sich deutliche Vorteile. Denn sowohl das häufig verwendete Cortison-Präparat Dexametason als auch das ebenfalls regelmäßig verschriebene Azetazolamid haben ausgeprägte Nebenwirkungen.

Die lästigen Symptome vermeiden

Am wirkungsvollsten kann man die Symptome jedoch vermindern, indem man sich entsprechend vorbereitet und akklimatisiert. Der Aufstieg sollte zudem langsam erfolgen. Die Empfehlung lautet, dass man jenseits von 2.500 Meter maximal zusätzlich 500 Höhenmeter pro Tag erklimmt. Außerdem wichtig: jeder der plant, in größere Höhen aufzusteigen, sollte zuvor in mittleren Höhen trainieren.

Falls dann doch die Symptome einer Höhenkrankheit auftreten, ist unbedingte körperliche Schonung angesagt. In der Regel verschwinden dann die lästigen Beschwerden nach 24 bis 48 Stunden wieder völlig. Auf keinen Fall sollte man zu unbesorgt damit umgehen. Denn im Extremfall kann sich in großen Höhen ein tödliches Hirnödem entwickeln.

Dringend empfehlen möchte ich eine optimale Vorbereitung mit gezieltem Training und auf einer Ausdauer betonten Skigymnastik vor der Anreise in die Berge. Mit Vorsichtsmaßnahmen lassen sich drohende Schädigungen des Herzmuskels zuverlässig verhindern. Wer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Nikotinabusus, Diabetes oder eine ausgeprägte Fettstoffwechselstörung hat, tut gut daran, vor dem Sport in den Bergen seinen Hausarzt ein Belastungs-EKG machen zu lassen.

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

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