Gesundheitsmagazin
Auf einen Blick
Sinusitis

Sinusitis  — Antibiotika oder nicht?

Viele Erwachsene leiden mindestens einmal pro Jahr an einer Nasennebenhöhlenentzündungen. Immer wieder wird zur Behandlung ein Antibiotikum verlangt und auch verschrieben. Ist das wirklich sinnvoll? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.

Entzündungen der Nasennebenhöhlen, genannt Sinusitis, zählen zu den großen Volkskrankheiten – mit seit vielen Jahren kontinuierlich steigenden Zahlen. Das liegt sicherlich auch daran, dass viele früher ihren „Schnupfen“ daheim auskurierten, während heute sofort ein Hals-Nasen-Ohren (HNO-) Arzt aufgesucht wird. Doch was ist eigentlich eine Sinusitis?

 

Die Klimaanlage unseres Körpers

Mit dem Begriff Nasennebenhöhlen bezeichnet man luftgefüllte Hohlräume in unserem Schädel. Dazu zählen die Stirnhöhlen über den Augenbrauen, die Kiefernhöhlen oberhalb des Oberkiefers, sowie die Siebbeinzellen und Keilbeinhöhlen zwischen Auge und Nase. Sie alle sind durch enge Öffnungen direkt mit der Nasenhöhle verbunden. Gemeinsam mit ihr reinigen sie die Atemluft, erwärmen und befeuchten sie.

Sind nun die Verbindungen zwischen Nasenhöhle und den Nebenhöhlen aufgrund eines Schnupfens verschlossen, werden diese nicht mehr ausreichend belüftet. Es kommt dort zu einer Entzündung, der Sinusitis.

Sinusitis: Helfen Antibiotika?

Ärzte stehen bei der Behandlung einer Sinusitis erstmal vor einem Dilemma. Grundsätzlich hilft ein Antibiotikum nur bei einer bakteriellen Infektion. Ob die Sinusitis jedoch durch Viren oder Bakterien verursacht wurde, lässt sich nur in den seltensten Fällen abschließend klären, denn die Symptome sind weitestgehend die gleichen.Wohl auch aus diesem Grund wird – meiner Meinung nach viel zu häufig – zu einem Antibiotikum gegriffen. Nicht selten auch, weil es die Patienten verlangen. Nach der Devise „sicher ist sicher“ wird dann mit den sprichwörtlichen „Kanonen auf Spatzen geschossen“.

Was die Wissenschaft sagt

Bereits 2008 kam eine Untersuchung der University of Chicago diesbezüglich zu einem eindeutigen Resultat, das die Wissenschaftler sehr deutlich zusammenfassten. Sie schrieben: „Stellen Sie bei Erwachsene mit einer klinischen Diagnose einer akuten Sinusitis die Verschreibung von Antibiotika ein, es sei denn, der Patient hat schwere Symptome. Antibiotika haben wenig oder gar keine positiven Auswirkungen auf die Schwere und Dauer der Symptome und die Therapie verursacht nur Nebenwirkungen und unnötige Kosten.“

Dies bestätigte 2018 noch einmal das wissenschaftliche Netzwerk Cochrane nach der Auswertung von 15 Studien der vergangenen Jahre. Auch hier stellten die Wissenschaftler abschließend fest: „Der potenzielle Nutzen von Antibiotika zur Behandlung einer akuten Sinusitis ist marginal und muss im Zusammenhang mit dem Risiko von Nebenwirkungen gesehen werden. In Anbetracht der Antibiotikaresistenz und der sehr geringen Häufigkeit schwerer Komplikationen kommen wir zu dem Schluss, dass eine Behandlung mit Antibiotika bei Menschen mit unkomplizierter akuter Sinusitis keinen Sinn macht.“

Darum lautet mein abschließender Rat: Sprechen Sie im Falle einer akuten Sinusitis mit dem Arzt Ihres Vertrauens. Oft helfen schon abschwellende Nasentropfen oder -sprays bei der Wiederherstellung der Belüftung der Nasennebenhöhlen. Dann verschwindet auch die Sinusitis gemeinsam mit dem Schnupfen nach wenigen Tagen.Bei chronischer hilft eine regelmäßige Nasendusche mit lauwarmer Kochsalzlösung. Auch Dampfinhalationen mildern die Atemwegsbeschwerden. Nasenspülungen helfen Infekte vorzubeugen. Die Nasensekrete werden verflüssigt und fließen besser ab. Krusten werden gelöst und weggespült. Ideal sind 0,5%ige Kochsalzlösungen.

 

Dieser Artikel erscheint auch in der Kolumne „Gesund mit Diehm“ auf www.gesuendernet.de, die Prof. Dr. Curt Diehm wöchentlich schreibt.

 

 

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